Auto-Schweiz-GV 2026: Automobilindustrie verlangt eine politische Kursänderung
Posted by: Mario Borri
Bei der Generalversammlung in Safenwil (AG) haben die Mitglieder von Auto-Schweiz ihren Präsidenten Peter Grünenfelder einstimmig für eine weitere Amtszeit von drei Jahren bestätigt. In Anbetracht des fortwährenden Drucks auf die Automobilwirtschaft in der Schweiz setzt sich der Verband für die Übernahme der europäischen Flexibilisierung der CO₂-Vorschriften ein, sowie für den Abbau von Überregulierung und eine steuerliche sowie abgabenbedingte Entlastung für Unternehmen und Autofahrer.
Der Auto-Schweiz Vorstand (v. l.): Präsident Peter Grünenfelder, Vize-Präsident Donato Bochicchio, Sergio Solero, Claudia Meyer, Dirk Adelmann und Vize-Präsident Helmut Ruhl.
Im Rahmen der 68. ordentlichen Generalversammlung von Auto-Schweiz standen die bedeutenden Herausforderungen der Schweizer Automobilbranche in einem stagnierenden Markt im Mittelpunkt. Die versammelten Mitglieder stimmten allen statutarischen Tagesordnungspunkten einstimmig zu und sprachen dem Vorstand das Vertrauen aus. Der Präsident Peter Grünenfelder wurde für eine weitere Amtsperiode von drei Jahren bestätigt. Claudia Meyer (Renault Group) wurde ebenfalls wiedergewählt. Dirk Adelmann, CEO Schweiz von Mercedes-Benz, wurde neu in den Vorstand gewählt und löst Roland Schell ab. Der Verband wurde durch die Aufnahme von zwei neuen Marken gestärkt, was den Zusammenhalt und die Einigkeit der Branche unterstreicht. Mit nunmehr 63 Mitgliedsmarken, die über 90 Prozent des Marktvolumens neuer Fahrzeuge abdecken, hat der Verband so viele Marken wie nie zuvor. Peter Grünenfelder bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen und betonte: «Die einmütige Wiederwahl gibt uns Rückhalt, um die verkehrs- und klimapolitischen Ziele der Schweizer Automobilindustrie weiterhin energisch in Bern zu vertreten.»
Keine Schweizer Sonderwege bei den CO₂-Vorschriften
Peter Grünenfelder hob in seiner Rede die prekäre Situation der Schweizer Automobilindustrie hervor. Während sich die Fahrzeugmärkte in vielen europäischen Ländern erholen und die Europäische Union ihre Vorschriften der Marktsituation anpasst, sehen sich die Schweizer Autoimporteure weiterhin mit einem schrumpfenden Markt, strengen Regulierungen und schwerwiegenden Strafen konfrontiert. Für Auto-Schweiz ist daher die schnelle Adaption der europäischen Flexibilisierungsmaßnahmen bei den CO₂-Flottenregelungen von größter Bedeutung. Die Schweiz sollte ihre Automobilindustrie nicht weiter durch zusätzliche Belastungen im Vergleich zu den europäischen Nachbarn benachteiligen. Thomas Rücker, Direktor von Auto-Schweiz, fügte hinzu: «Die Schweiz kann es sich nicht leisten, einen regulatorischen Sonderweg zu gehen. Es ist notwendig, mehr technologische Offenheit und Pragmatismus zu zeigen und eine Politik zu verfolgen, die sich nach den Marktrealitäten richtet, statt nach ideologischen Wunschvorstellungen. Die Folgen der aktuellen Regulierungen sind zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Verbraucher sowie eine wachsende Diskrepanz zwischen politischen Zielen und der Marktwirklichkeit.»
Deregulierung und Entlastung statt neuen Belastungen
Auto-Schweiz plädiert neben der Anpassung des CO₂-Regimes für einen konsequenten Abbau der regulativen Belastungen, die die Branche immer stärker treffen. Die Schweizer Automobilindustrie ist auf Planungs- und Investitionssicherheit angewiesen. Anstelle neuer Vorschriften sind marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen nötig, die Innovationen und Investitionen begünstigen. Der Verband setzt sich daher für eine weitreichende Deregulierung ein, die von der Überprüfung unnötiger Deklarationspflichten bis zum Abbau marktverzerrender Vorschriften reicht. Gleichzeitig spricht sich Auto-Schweiz für eine Entlastung bei Steuern und Abgaben aus, da die Automobilisten und die Automobilwirtschaft bereits jährlich fast 13 Milliarden Franken beisteuern. Vor diesem Hintergrund ist Auto-Schweiz gegen zusätzliche Belastungen und befürwortet unter anderem die Abschaffung der Automobilsteuer.
Ausgewogene Mobilitätspolitik gefordert
Auto-Schweiz kritisiert die wachsende Unausgewogenheit bei den Infrastrukturinvestitionen des Bundes. Trotzdem zwei Drittel aller Personen- und Gütertransporte auf der Strasse stattfinden, sollen im Rahmen von Verkehr’45 viele der geplanten zusätzlichen Investitionen in den Schienenverkehr fließen. Staus und Engpässe auf dem Strassennetz erreichen derweil Rekordausmaße. Es wird eine ausgewogene Verkehrspolitik gefordert, die den tatsächlichen Mobilitätsbedürfnissen von Bevölkerung und Wirtschaft entspricht. Leistungsfähige Strassen bleiben eine grundlegende Voraussetzung für den Wohlstand, die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz. «Wir setzen uns weiterhin entschlossen für eine wettbewerbsfähige Automobilwirtschaft, erschwingliche Mobilität und marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen ein. Die Schweiz braucht mehr Dynamik und weniger Bürokratie», schloss Peter Grünenfelder.




