Mehrere Betreiber von Schnellladenetzen fordern in einem gemeinsamen offenen Brief an den Bundesrat strukturelle Anpassungen im Schweizer Markt für Ladeinfrastruktur. Die Unternehmen kritisieren insbesondere die derzeitige Rolle von Verteilnetzbetreibern und Gemeinden, die gleichzeitig regulatorische Aufgaben wahrnehmen und selbst als Marktteilnehmer auftreten.
Aus Sicht der Unterzeichnenden führt diese Doppelrolle zu Interessenkonflikten und erschwert den Wettbewerb. Private Anbieter hätten teilweise eingeschränkten Zugang zum Markt, was Investitionen verzögern und den Ausbau der Infrastruktur bremsen könne.
Konkret benennen die Unternehmen mehrere Problemfelder. Dazu zählen eine aus ihrer Sicht unzureichende Versorgung mit Schnellladepunkten, insbesondere in urbanen Gebieten, sowie vergleichsweise hohe Ladepreise. Auch die Nutzerfreundlichkeit und Transparenz der bestehenden Angebote werden als verbesserungswürdig beschrieben.
Als zentrale Ursache sehen die Unternehmen mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch die Beteiligung von Netzbetreibern am Lademarkt. Diese könnten durch Quersubventionierungen begünstigt werden, was die Marktbedingungen für unabhängige Anbieter erschwere.
Im offenen Brief fordern die Unternehmen daher eine klarere Trennung zwischen Netzbetrieb und Ladegeschäft. Zusätzlich plädieren sie für mehr Transparenz bei Netzanschlüssen sowie für offene Standards bei Bezahl- und Datensystemen. Ziel sei ein wettbewerbsorientiertes Umfeld, das Innovationen fördert und den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigt.
Der Vorstoss zeigt, dass mit dem wachsenden Markt für Elektromobilität auch die regulatorischen Fragen an Bedeutung gewinnen. Wie diese ausgestaltet werden, dürfte entscheidend dafür sein, wie schnell und flächendeckend sich ein leistungsfähiges Ladenetz in der Schweiz entwickelt.