Swiss Fleet Forum 2026: Die Flotte im Wandel
Posted by: Fabio Simeon
Am 27. August 2026 kamen rund 170 Teilnehmer ins TCS Trainingscenter Derendingen zum Swiss Fleet Forum. Im Zentrum standen aktuelle Herausforderungen rund um Energie, Digitalisierung und den Wandel der Fahrzeugflotten – ergänzt durch konkrete Praxisbeispiele, Diskussionen und fahraktive Erlebnisse. Das Kernthema: die Tankstelle der Zukunft.
Text: Ralf Käser
Ralf Käser führte letzten Donnerstag durch das diesjährige Swiss Fleet Forum und betonte gleich zu Beginn, dass ein Anlass dieser Grösse nur dank starker Partner möglich sei. Die Begrüssung übernahmen Christian Lemmel, Präsident des Schweizer Mobilitätsverbands sffv, und Patrick Bünzli, der für den noch im Stau steckenden Alain Bahni (CEO upto) einsprang. Wegen eines Staus startete das Programm, eine halbe Stunde später als geplant, mit einer Befragung von EnergieSchweiz. Dabei ging es unter anderem um einen Leitfaden für Unternehmen Guideline, welche das Laden zu Hause vereinfachen soll. Die rund fünfminütige Erhebung ist Teil einer laufenden Zusammenarbeit von EnergieSchweiz, sffv und Infras zur Elektromobilität in Unternehmen. Anschliessend folgte Shell mit dem zentralen Thema des Tages: «Wie sieht die Tankstelle der Zukunft aus?» Die Frage, wie sich klassische und neue Energieangebote entwickeln und welche Infrastruktur Flotten künftig benötigen, stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie die veränderten Anforderungen der Nutzer. Bereits im Einführungsvortrag machte Shell deutlich, dass die Tankstelle der Zukunft zunehmend zu einem Energiehub und Begegnungsort wird.
Auch die Fahrzeughersteller waren Teil des Programms. Diego Battiston stellte XPENG und die Angebote der Marke für die elektrische Mobilität vor – darunter humanoide Roboter und einen sogenannten „Helikopter im Auto“, während Konrad Schütz von smart ebenfalls Einblicke in seine Perspektiven für die elektrische Mobilität gab und präsentierte smart in unterschiedlichen Grössen sowie das Modell #2 auf Basis einer neuen Plattform, das als 3D-Druck-Modell zu begutachten war. Damit wurde ein Thema aufgegriffen, das sich durch den gesamten Anlass zog: Die Elektrifizierung ist in vielen Unternehmen längst Realität. Entscheidend wurde zunehmend, wie sich der Betrieb der Fahrzeuge möglichst einfach, wirtschaftlich und zuverlässig gestalten lässt.
Eine Plattform für die Mobilität: Yves Keller zeigte für DKV Mobility mit dem Thema «Eine Plattform. Volle Fahrt.», wie integrierte Lösungen Mobilität vereinfachen können. Tank- und Ladeprozesse, Abrechnung, Daten und Mobilitätsdienstleistungen wachsen zunehmend zusammen. Für Fuhrparkverantwortliche bedeutete dies einerseits mehr Möglichkeiten, andererseits aber auch eine steigende Komplexität. Entsprechend gewannen Plattformen an Bedeutung, welche unterschiedliche Prozesse und Energieträger zusammenführen.
Einen weiteren Akzent setzte Salvatore Malomo von Akzo Nobel SRN mit dem Beitrag «Die Datentankstelle». Daten sind heute ein zentraler Rohstoff der Mobilität. Sie helfen, Kosten und Prozesse transparenter zu machen, Fahrzeuge effizienter einzusetzen und Entscheidungen auf einer fundierten Basis zu treffen. Zudem machen diese Daten die Reparatur von morgen für die CSR-Berichterstattung relevant. Wie sich dieses Potenzial konkret nutzen lässt, zeigten auch die folgenden Praxisbeispiele.
nowaclean beleuchtete die nachhaltige Fuhrparkpflege und zeigte anhand eines Anwendungsbeispiels, wie Ressourcen sinnvoll eingesetzt und geschont werden können. Welche Rolle professionelle Fahrzeugbeschriftungen in der Unternehmensmobilität spielen kann, zeigte Noel Dönni von realizeren. Damit blieb das Swiss Fleet Forum seinem praxisnahen Ansatz treu: Neben den grossen Zukunftsthemen erhielten auch konkrete Lösungen für den täglichen Betrieb ihren Platz.
Elektrisch, aber einfach: Nach der Mittagspause rückte die Umsetzung der Elektrifizierung nochmals stärker in den Fokus. Fabian Kallen von BKW widmete sich der Frage: «Flotte wird elektrisch: Betrieb muss einfacher werden». Gerade für grössere Flotten reicht es nicht, Fahrzeuge durch elektrische Modelle zu ersetzen. Ladeinfrastruktur, Energieversorgung, Abrechnung und Betriebsabläufe müssen ineinandergreifen. Laden sei eine Transformation in den Unternehmen und müsse auch anders gedacht und gehandhabt werden – schliesslich fahre man auch nicht immer mit vollem Diesel- oder Benzintank herum.
Sergio Sorrentino von Lucid ergänzte den Nachmittag mit einem Einblick in die Perspektive eines weiteren amerikanischen Elektrofahrzeugherstellers. Anschliessend richtete Jérémie Coquoz, autoSense den Blick auf das «Tanken in der Zukunft: elektrisch, optimiert, datenbasiert». Die Verbindung von Fahrzeugdaten, Energieverbrauch und intelligenten Prozessen dürfte für Flotten in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Insbesondere die Verrechnung von Strom beim Heimladen müsse neu gedacht werden, da die notwendigen Daten dieser teilweise direkt aus den Fahrzeugen geliefert werden.
Wie unterschiedlich die Herausforderungen und Lösungsansätze sind, zeigte die anschliessende Podiumsdiskussion.Die rund 20-minütige Diskussion unter dem Titel «Flotte im Wandel und die Tankstelle der Zukunft» moderierte Ralf Käser. Mit Alain Bahni von upto, Robin Becker von Ladenpunkt, Yves Keller von DKV, Fabian Kallen von BKW, Jérémie Coquoz von autoSense und Patrick Schwabl von Shell kamen Vertreter verschiedener Bereiche der Mobilitätswelt zusammen. Energie, Laden, Daten und Zahlungs- beziehungsweise Abrechnungslösungen wurden dabei aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Genau diese Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette war ein zentrales Thema für die Zukunft der Flottenmobilität.
Fahrpraxis auf dem TCS-Parcours: Typisch für das Swiss Fleet Forum blieb die Verbindung von Information und direktem Erleben. Parallel zum Vortragsprogramm fand tagsüber die fahraktive Schulung auf dem TCS-Parcours. Mit XPENG, smart, Lucid, Tesla, Renault, Peugeot, Leapmotor, Citroën, Opel und Mazda war eine breite Palette verschiedener Marken vertreten. Die Teilnehmenden konnten unterschiedliche Konzepte und Fahrzeuge direkt vergleichen und erleben, wie unterschiedlich sich Elektromobilität heute anfühlt. Auf dem Parcours ging es nicht nur um technische Daten, sondern um Fahreindruck, Handling und die praktische Erfahrung hinter dem Steuer.
Gerade für Flottenverantwortliche bot dieser Teil des Forums einen besonderen Mehrwert. Entscheidungen über Fahrzeuge entstanden zwar auf Basis von Kosten, Reichweiten, Einsatzprofilen und Daten. Der direkte Vergleich blieb dennoch wichtig, um die Eigenschaften verschiedener Modelle besser einordnen zu können.
Networking als wichtiger Bestandteil: Nach dem offiziellen, gemeinsam von Christian Lemmel und Alain Bahni gehaltenen Schlusswort blieb Zeit für den persönlichen Austausch. Beim anschliessenden Apéro und Networking standen Gespräche, neue Kontakte und der direkte Dialog zwischen Flottenkunden, Partnern und Anbietern im Zentrum.
Das Swiss Fleet Forum 2026 zeigte damit einmal mehr, dass die Transformation der betrieblichen Mobilität nicht auf eine einzelne Technologie reduziert werden kann. Elektrische Fahrzeuge spielten eine zentrale Rolle, doch ebenso entscheidend waren Ladeinfrastruktur, Energie, Daten und einfach funktionierende Prozesse.
Mit Fachinputs von Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen, konkreten Anwendungsbeispielen, der Podiumsdiskussion und den fahraktiven Tests verband der Anlass Theorie und Praxis. Das Swiss Fleet Forum blieb damit eine markenübergreifende Plattform für jene, die Mobilität in Unternehmen heute gestalten und die Lösungen von morgen mitentwickeln wollen.




