21. Mai 2019

Tankstellen entwickeln sich in Zukunft zur Mobiltätsdrehscheibe

Durch Elektrifizierung, Automatisierung und neue Kundenbedürfnisse werden sich die Anforderungen im Tankstellengeschäft deutlich verändern. Ausserdem bieten sich Chancen für neue Geschäftsmodelle. Das sind die Ergebnisse der neuen Aral-Studie «Tankstelle der Zukunft», die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstand.

Tankstellen entwickeln sich in Zukunft zur Mobiltätsdrehscheibe

Insgesamt prognostiziert das DLR, dass die Deutschen 2040 mit PW und Nutzfahrzeugen etwa 900 Milliarden Kilometer jährlich zurücklegen – rund ein Viertel mehr als im Jahr 2010. «In zwanzig Jahren werden wir bis ins hohe Alter mobil sein. Ausserdem tragen neue Mobilitätsangebote und der wachsende Online-Handel zur zunehmenden Fahrleistung bei», erläuterte Institutsleiterin Barbara Lenz. Trotz sinkender Bevölkerungszahl wachse deshalb das Verkehrsaufkommen in allen untersuchten Raumtypen.

 

Berufsbedingte Fahrten von Taxiunternehmen, Handwerkern oder Pflegediensten nehmen demnach in Deutschland um jeweils rund 50 Prozent zu (2040: rund 105 Milliarden Kilometer). Nutzfahrzeuge legen bis 2040 sogar die doppelte Kilometerzahl zurück (rund 200 Milliarden Kilometer). Der Personenverkehr steigt zwar weniger stark an, allerdings machen Wege wie etwa zum Supermarkt, Sportverein oder zum Arbeitsplatz in 20 Jahren immer noch den grössten Anteil aus (rund 591 Milliarden Kilometer). Dabei kommt der private PW besonders im ländlichen Raum zum Einsatz. Die dort lebenden Menschen dürften aufgrund der eingeschränkten Infrastruktur öfter weitere Distanzen zurücklegen. Anders als in der Grossstadt, in der durch vielfältige Mobilitätsangebote das eigene Auto häufiger stehen bleibe. Im Jahr 2040 werden laut Studie dort autonome Fahrzeuge fahren, die dann bereits 25 Prozent der Gesamtflotte ausmachen.

 

Die Tankstellen bleiben auch in den kommenden 20 Jahren wichtige Anlaufstellen im mobilen Alltag und werden durch neue und bestehende Mobilitätsangebote buchstäblich zur Drehscheibe der Mobilität. Die drei klassischen Angebotssäulen – Treibstoffe, Shop und Autowäsche – profitieren von den Veränderungen im Verkehr und entsprechender Nachfrage. Für das Treibstoffgeschäft bedeutet das eine Erweiterung der Angebotspalette. Laut Studie fahren PWs im Jahr 2040 zunehmend teilelektrisch mit Hybridantrieb. Benzin und Diesel-Hybride haben mit 58 Prozent den grössten Anteil am gesamten PW-Bestand. Plug-in-Hybride sind mit 16 Prozent vertreten. Effiziente benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge machen in der gesamten Fahrzeugflotte knapp ein Viertel aus. Rechnet man die Diesel- und Benzin-Hybrid-Autos hinzu, so tanken der Studie nach insgesamt zwei Drittel der PW-Flotte immer noch regelmässig konventionelle Treibstoffe – zunehmend kombiniert mit weiterentwickelten Biokomponenten und synthetischen Kraftstoffen. Zudem wird es auch mehr Ladesäulen geben. Ohne regulatorische Massnahmen fahren laut DLR-Prognose rund drei Prozent der PWs sowie 13 Prozent der Nutzfahrzeuge 2040 ausschliesslich batterieelektrisch. Alternativ bieten die Stationen verflüssigtes und komprimiertes Erdgas (LNG, CNG), Wasserstoff und möglicherweise Autogas (LPG) an.

 

Mit der zunehmenden Mobilität ergeben sich auch Wachstumschancen für das Shopgeschäft: Unterwegsversorgung sowie flexible und bedarfsgerechte Einkaufsmöglichkeiten werden stärker nachgefragt. Per «Home-Delivery» können die Einkäufe mit autonomen Fahrzeugen nach Hause geliefert werden. Zudem können Kunden vor Ort in Bistros auf das Pooling-Fahrzeug warten. Von der wachsenden Zahl geteilter Fahrzeuge profitiert auch die Autowäsche, da die Wagen öfter gereinigt werden müssen.

 

Neue Mobilitätstrends setzen sich im dichten Grossstadtverkehr am schnellsten durch. Dort bündelt die Tankstelle viele dieser Angebote: E-Bikes, autonome Sharing- und Pooling-Fahrzeuge sowie Lufttaxis stehen bereit und werden während ihrer Standzeit geladen bzw. gewartet. An Automaten können Zweiradfahrer – ob Kurierdienst oder privat – ihre Akkus tauschen. Für Wartende hält das Bistro frische Speisen und Getränke bereit. Geschäftsleute können ausserdem Meetingräume anmieten. Eine mehrgeschossige Bauweise ermöglicht diese Angebotsvielfalt im urbanen Raum.

 

2040 pendeln immer mehr Menschen aus umliegenden Gebieten in die Grossstädte, so die Vorhersage. An den «Eingangstoren» im städtisch geprägten Kreis bietet die Tankstelle die Möglichkeit zum Umstieg vom privaten auf kollektive Verkehrsmittel: Mit autonomen Pooling-Fahrzeugen, einem komfortablen ÖF-Angebot auf einer Extra-Spur oder dem Lufttaxi überbrücken Pendler die «letzte Meile» ohne Stau. Betreiber autonomer Flotten finden an der Station einen umfassenden Service: von der Wäsche über ultraschnelles Laden bis hin zu kleineren Wartungsarbeiten.

 

Im ländlichen Raum bleibt das eigene Auto zentral für die Mobilität, zumal die zu fahrenden Strecken aufgrund einer sich ausdünnenden Infrastruktur immer länger werden. Tankstellen können als sozialer Treffpunkt sowie mit einem grösseren Shop-Angebot und Paketdienstleistungen den ländlichen Raum bereichern. Neu ist ein kombinierter Personen-Güterverkehr: Handwerker oder Pflegedienste nehmen von der Paketstation an der Tankstelle Lieferungen für ihre Kunden oder Patienten mit und entlasten damit Paketdienstleister von Fahrten in entlegene Gebiete.

 

An autobahnnahen Tankstellen erfolgt der Wechsel von autonomen auf fahrergeführte Lkw für den Stadtverkehr. Die Station bietet zudem ultraschnelle Lademöglichkeiten für elektrische Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen und Fernreisende. Erweiterte Gastronomieangebote und funktionelle Übernachtungsmöglichkeiten für Lkw-Fahrer – sogenannte Trucker-Cubes – sind weitere Angebote für den Nutzfahrzeugverkehr. Ausgewählte Standorte werden ausserdem zu Haltestellen für Fernbusse. Passagiere können mit Shuttle-Services weiter an ihr Ziel gelangen. (pd/ir)

 

www.aral.de

 

Die gesamte Studie gibt es hier zum Download.

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